Schalom. Drei Fotografen sehen Deutschland

Eine Rabbinerfamilie mit ihrem Neugeborenen, ein jüdischer Kantor beim Fußballspiel, ein Frankfurter Rabbiner bei der Feier des jüdischen Neujahrsfestes Rosch Haschana. Momentaufnahmen von jüdischem Leben und jüdischer Kultur in Deutschland, festgehalten von den drei Fotografen Holger Biermann, Rafael Herlich und Benyamin Reich.
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Foto: Rafael Herlich

Insgesamt 51 dieser Fotografien präsentiert das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in der Ausstellung "Schalom. Drei Fotografen sehen Deutschland". Die Stadt Versmold zeigt sie vom 25. Oktober bis zum 10. Dezember 2017 im Rathaus Versmold.

Die Ausstellungseröffnung findet am Mittwoch, 25. Oktober um 18 Uhr im Foyer des Rathauses statt. Nach einer kurzen Begrüßung wird die Historikerin Ann-Kathrin vom Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn eine Einführung in die Ausstellung geben. Den Ausklang macht unser Archivar und Historiker Dr. Rolf Westheider

Die Fotografien der Ausstellung umspannen die Jahre 2000 bis 2015 und werfen einen schlaglichtartigen Blick auf die aktuelle Lebenswirklichkeit deutscher Juden. Sie zeigen Kinder in einer Talmudschule, Juden beim Tanz am Israelfest oder eine jüdische Hochzeit. Zu sehen sind aber auch antisemitische Schmierereien an einer Synagoge oder ein Plakat mit einem Judenstern, das ein Polizist entfernt. Die Ausstellung regt zur Auseinandersetzung mit der Frage an: Wie selbstverständlich ist jüdisches Leben in Deutschland mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust?

Die Kombination der Arbeiten von drei Fotografen unterschiedlichen Alters und Herkunft bietet die Chance, dieses Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: Holger Biermann, 1973 in Bremen geboren, arbeitete nach seiner Ausbildung an der Axel-Springer-Akademie in Berlin einige Jahre in New York. Seit 2003 ist er als freier Fotograf in Berlin tätig. Biermann erzeugt mit seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen einen nostalgischen Charakter, der zum Nachdenken über die Geschichte des Judentums in Deutschland anregt.


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Foto: Benjamin Reich

Rafael Herlich, 1954 in Tel Aviv geboren, lebt seit über 40 Jahren in Frankfurt am Main. Mit seinen Fotografien hat er sich zum Ziel gesetzt, die Normalität jüdischen Lebens in Deutschland festzuhalten und so zu einem Dialog der Religionen beizutragen.

Benyamin Reich, Jahrgang 1976, stammt aus einer orthodoxen jüdischen Familie in der Nähe von Tel Aviv und lebt heute ebenfalls in Deutschland. Seine in der Ausstellung präsentierten Aufnahmen jüdischer Feierlichkeiten wie die Feier einer Geburt oder Hochzeit zeigen wichtige Lebensstationen, die nicht nur jüdisches Leben in Deutschland prägen.

Vor 80 Jahren war das jüdische Leben in Versmold schon nahezu erloschen. Die Restriktionen, Bedrohungen und Schikanen hatte die jüdischen Bürger in die Auswanderung getrieben. Das Leben jener, die geblieben waren, endete ab 1941 im Holocaust. Jüdisches Leben in Versmold ist fremd geworden. Die Ausstellung bringt es symbolisch zurück an einen Ort, der auch jüdischen Bürgern einmal Heimat war.

"Schalom. Drei Fotografen sehen Deutschland" ist eine Ausstellung der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Erstpräsentation fand im Haus der Geschichte Bonn von August 2015 bis Juni 2016 statt. Nach dem "Museum in der Kulturbrauerei Berlin" jetzt in Versmold: vom 25. Oktober bis 10. Dezember 2017

Pressemitteilung vom 18.10.2017